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Lasst uns damit aufhören Bewegung als zeitfressende Last zu empfinden.

Körper und Psyche stehen in ständiger Wechselwirkung. Geht es der Seele gut, fühlt sich auch der Körper wohl. Geht es dem Körper gut, ist der Geist ausgeglichen und zufrieden. Ernährung und Bewegung sind zwei Eckpfeiler dieser Wechselwirkung von Körper und Geist. Passt eines dieser Dinge nicht, geraten wir in ein Ungleichgewicht, was zur Folge hat, dass irgendwann auch Probleme entstehen, wo vorher keine waren.

Das zeigt sich besonders gut im Zusammenhang von schlechter Ernährung und Kraft- sowie Lustlosigkeit oder Übergewicht und Depressionen. Umgekehrt, auf positivem Wege, sorgt es aber natürlich auch für Energie und Freude an der eigenen Gesundheit. Dass es im Blog schon viele Artikel zum Thema Ernährung gibt, wissen die eifrigen LeserInnen schon. Da Ernährung jedoch nur ein Teilgebiet der Gesundheit ist, wird es dieses Jahr auch wieder mehr Artikel zu den Themen Bewegung, Sport und Fitness geben. 

Warum ist Bewegung überhaupt so wichtig? Lasst uns ein paar Jahrtausende zurückblicken und uns ein klein wenig mit Anatomie und Geschichte beschäftigen. Der menschliche Körper ist ein wundervolles Konstrukt der Evolution. Er besitzt über 200 Knochen, mehr als 300 Gelenkverbindungen sowie gar über 600 Muskeln und all diese kleinen Wunderwerke dienen unseren täglichen Bewegungsabläufen. Diese Wunderwerke sind demnach nicht einfach nur ein Pluspunkt, sondern eine Voraussetzung, die das Funktionieren des Menschen erst möglich macht.

Bewegung dient nicht nur unserer Gesundheit, sondern ist eines der natürlichsten Prinzipien der Evolution: Bewegen, um zu überleben. Steinzeitliche Jäger und Sammler mussten große Distanzen zurücklegen, um ihr Überleben zu sichern. Trotz vieler neuer Erfindungen, die uns das Leben erleichtert haben, ist unser gesamter Organismus auch jetzt noch auf körperliche Aktivität angewiesen. Haben wir zu wenig Bewegung, verkümmern wir. Vielleicht nicht schnell, vielleicht auch anfangs nicht sichtbar, aber wir verkümmern. Während körperliche Strukturen sich über Jahrzehnte zurückbilden, werden auch Organsysteme immer leistungsärmer. 

Tu deinem Körper Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen (Theresa von Avila)

Warum ist es, trotz dieses Wissens, so schwierig dem Körper etwas Gutes zu tun? Ein Satz, den ich selbst über Jahre hinweg verinnerlicht habe, war ein einfacher: „Ich habe halt keine Zeit dazu mich ausreichend zu bewegen!“. Mittlerweile muss ich immer ein wenig schmunzeln, wenn mir diese Wörter wieder durch den Kopf huschen. Eigentlich haben wir alle enorm viel Zeit. Ganze 24 Stunden täglich. Hier geht es prinzipiell nicht um die fehlende Zeit, sondern um Organisation und Prioritäten. Wenn wir ganz tief in uns hinein sehen, wissen wir: Zeit hat man sowieso nie, man nimmt sie sich. 

Der Grund für fehlende Bewegung ist nicht die Zeit, sondern die Tatsache, dass wir körperliche Aktivität mittlerweile als belastend empfinden. Ja, wir empfinden es als Last uns zu bewegen… Wir fahren mit dem Auto zur Arbeit, nehmen Rolltreppe oder Fahrstuhl statt Stufen und sind froh, wenn wir uns abends nach einem harten Tag im Büro auf die Couch fallen lassen können und der Lieferdienst bereit steht, anstatt nochmal eine Runde durch den Park zu spazieren, um die negativen Gedanken zu entsorgen. Die häufigsten Körperhaltungen des Menschen: Sitzen und Liegen. Wir haben verlernt auf unsere Körpersignale zu hören. Haben vergessen, wie es ist, wenn Bewegung Spass macht. Könnt ihr euch noch an eure Kindheit erinnern? Ballspiele, Reiten, Seilspringen, Skateboarden, gruppendynamische Spiele im Sportunterricht, Schaukeln, das Klettern auf Bäume, den Drachen durch Anlauf in ungeahnte Höhen steigen lassen? Wir waren ausgepowert und glücklich. Konnten wir uns nicht ausreichend bewegen, wurden wir zappelig und nervig. (Ja, die kleine Tanja hatte, so wie jedes Kind auch, enorm viel Freude an Bewegung, auch, wenn der Gesichtsausdruck auf beiden Bilder nicht gerade glücklich getroffen ist. ;) Die hübsche Frau im Hintergrund ist übrigens meine Mutter. ♥)

Während wir in Kindertagen gerne Fangen gespielt haben, spielen wir als Erwachsene lieber „Verstecken“. Wir haben vergessen wie es ist, den Spaß an der Bewegung so richtig zu genießen. Irgendwann trainieren oder bewegen wir dann nur mehr, weil wir es sozusagen „müssen“. Die Motivation abzunehmen oder Muskeln aufzubauen ist wunderbar, für den gestressten Menschen von heute jedoch meist nicht sehr langatmig. Spass und Freude hingegen sind optimale Werkzeuge, um neue Gewohnheiten aufzubauen oder alte wieder hervorzuholen und mehr Aktivität in den Alltag zu integrieren. Damit will ich sagen: Gehen wir es anders an! Hören wir damit auf Bewegung als zeitfressende Last zu empfinden, die wir nur verfolgen, damit wir schön und schlank sein können und wecken stattdessen das schlummernde Kind in uns, das so gern herumtollt, im Schnee hüpft, zur Musik tanzt oder bis zum Boden des Schwimmbads tauchen möchte. Dafür braucht es kein Fitnessstudio, keine Youtube-Videos und keine Fitnessgeräte im Wohnzimmer, die Platz verschlingen. Ein ausgiebiger Spaziergang mit Freunden, Ball spielen mit den Kindern oder eine Fahrradtour mit den Herzensmenschen erfreuen das kleine Wunderwerk der Evolution ebenso, schütten Glückshormone aus und schenken euch nebenbei noch viele kleine Health Benefits:

  1. BEWEGUNG SCHENKT LEBENSJAHRE In den 30ern beginnt der natürliche Alterungsprozess einzusetzen. Somit sinkt auch die Leistungsfähigkeit, während mit zunehmendem Alter das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen steigt. Wer sich nicht ausreichend bewegt, fördert und beschleunigt diesen Vorgang. Wer das nächste Mal also sagt, es bleibt keine Zeit für Bewegung, dem sei an dieser Stelle gesagt, dass Bewegung sogar Zeit schenkt.
  2. BEWEGUNG STÄRKT DAS IMMUNSYSTEM Wer sich regelmäßig bewegt, ist weniger anfällig für Infektionskrankheiten wie Grippe und Erkältung. Der Kreislauf wird angekurbelt und das Blut fließt mit viel Elan durch Gefäße. Dies bringt die körpereigenen Immunzellen in Schwung und hält uns auch bei Minusgraden gesund.
  3. BEWEGUNG SENKT DAS RISIKO FÜR ZIVILISATIONSKRANKHEITEN Körperliche Aktivität baut Muskeln auf. Durch die gestärkte Muskulatur erhöht sich der Grundumsatz, was bedeutet, dass der Körper auch in Ruhephasen mehr Kalorien verbrennt. Warum? Muskelzellen haben im Vergleich zu Fettgewebe einen besseren Stoffwechsel und verbrauchen dadurch auch deutlich mehr Energie. Ganz nebenbei sinkt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bei sportlich aktiven Menschen deutlich, da die Gefäße wieder einmal so richtig durchgeputzt werden. Drei flotte Spaziergänge zu je 30 Minuten in der Woche beispielsweise reduzieren das Risiko einen Schlafanfall zu erleiden um ganze 30 Prozent!
  4. BEWEGUNG FÖRDERT GUTEN SCHLAF Unsere schnelllebige Zeit animiert uns dazu unsere Tagesziele ebenso schnelllebig und gestresst abzuarbeiten. Wer ständig unter Strom steht, kann abends jedoch nur schwer zur Ruhe kommen. Bewegung fördert Reflexion, hilft uns abzuschalten und lässt uns Stress besser verarbeiten. (Außerdem sind wir nach anstrengender Aktivität meist richtig schön müde.)
  5. BEWEGUNG MACHT SCHLAU Sport und Bewegung wirken sich unglaublich positiv auf die Lernfähigkeit aus. Körperliche Aktivität verbessert die Gehirndurchblutung, regt zur Neubildung von Nervenzellen an und verbessert somit auch die Denkleistung. Außerdem wird die Ausschüttung des Hormons ACTH angeregt, welches den Blutdruck senkt, die Konzentration verbessert und kreativer macht. Vor einer Prüfung also bestenfalls noch mal kurz um den Block laufen! ;) 
  6. BEWEGUNG MACHT SELBSTBEWUSST Wer kennt’s nicht: Nach einem erfolgreichen Lauf oder einem anstrengendem Training ist man im Anschluss immer stolz auf sich selbst und die Leistung, die man erbracht hat. Wir erfreuen uns somit nicht nur an unseren Erfolgen (egal, wie klein sie anfangs auch sein mögen), sondern üben uns dadurch in Selbstliebe und entdecken ein ganz neues Körpergefühl. Und das, meine Lieben, zeigen wir auch nach außen!
  7. BEWEGUNG MACHT SCHÖN Sport nur um der Schönheit willen zu machen, empfinde ich persönlich als falschen Ansatzpunkt, jedoch gibt es durchaus auch optische Bewegungsbenefits, die man unbedingt erwähnen sollte: Bewegung strafft das Bindegewebe, definiert Muskeln, lässt uns aufrechter gehen und tut somit der Gesamtästhetik gut. Körperliche Aktivität schüttet auch ganz nebenbei Altersschutzstoffe (u.a. Wachstums- und Sexualhormone) aus, was bedeutet, dass die biologische Uhr zumindest langsamer tickt. ;)
  8. BEWEGUNG MACHT GLÜCKLICH Kennt ihr unglückliche Sportler? Ich auch nicht. Menschen in Bewegung machen nämlich so gut wie immer ein glückliches, wenn auch angestrengtes, Gesicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Stresshormone schneller abgebaut werden. Auch Depressionen können durch sportliche Betätigung deutlich gemildert werden, da sich Körper und Seele nach dem Sport bestens entspannen können.

There is no elevator to success – You have to take the stairs

Solltet ihr also das nächste Mal ungeduldig auf den Fahrstuhl warten, würde ich mich freuen, wenn ihr euch diese Benefits euren Körpern zuliebe (die euch so viele Jahrzehnte durch’s Leben tragen) wieder ins Gedächtnis holt. Denn ihr seid alle kleine Wunderwerke der Evolution, die es verdienen, so lange, glücklich und unverkümmert wie nur möglich durch’s Leben zu kommen!

Wie steht ihr zu Bewegung und Fitness? Lieber Fitnessfreak, Couch Potatoe oder goldener Mittelwegbestreiter? Welchen Sport habt ihr als Kinder gerne gemacht? Was hält euch davon ab ihn erneut zu machen? Ich freu mich über eure Kommentare!

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5 Comments

  • Reply
    Bettina
    11. Februar 2017 at 20:59

    Liebe Tanja, deine 8 Punkte fand ich besonders schön formuliert! Ich kann es nicht verstehen, wieviele Menschen es damit aushalten, sich nicht zu bewegen! Ich brauche das täglich. Sonst werde ich aggressiv , kann nicht gut schlafen usw. Ich liebe das Gefühl im Körper, wenn ich mich bewege und auch im Rahmen anstrenge. Seite einem Jahr habe ich auch ein Trampolin zu Hause das ist fanstastisch! Liebe Grüße von Bettina!

    • Reply
      Tanja
      3. März 2017 at 19:34

      Hy Bettina! hihi – Ja, die Aggressivität und Unruhe ohne Sport oder zumindest viel Bewegung an der frischen Luft kenne ich nur zu gut! Ich hoffe, du hast viel Spaß mit deinem Trampolin! Ich habe vor einigen Monaten auch schon mal überlegt, finde jedoch einfach keinen Platz in der Wohnung um es dauerhaft aufzustellen. Vielleicht ergibt sich aber auch mal die Teilnahme an einem Kurs außerhalb der eigenen vier Wände, wer weiß. ;)

      Liebe Grüße, Tanja

  • Reply
    Jenni
    30. Januar 2017 at 8:50

    Liebe Tanja!

    Ein wundervoller Artikel, ich danke dir dafür! :)
    Ich glaube, du hast absolut recht: Das Kernproblem ist, dass wir Bewegung als Last empfinden und Sport sowieso. O Gott, Laufen (Radfahren, Klettern, Wandern etc.)! Wie anstrengend! Dass man sich das freiwillig zumutet!
    Mir kommen die Menschen auch regelmäßig mit entsetzt-überraschten Gesichtern entgegen, wenn ich auf meinem Weg zu den Feldern durch die Stadt laufe (anfangs ist das natürlich immer unangenehm, mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt). Aber die Freude an der Bewegung und am Aktivsein ist das, was wir alle wiederentdecken müssen – das ist so etwas Schönes und Kostbares! Sogar der Muskelkater hinterher ist eine schöne Sache, zeigt er doch, dass er noch da ist, der Körper, mit dem ich durchs Leben wandle – und dass er so Einiges kann. ;)

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply
      Tanja
      3. März 2017 at 19:45

      Ich hätt’s nicht besser sagen können! Das Körpergefühl bzw. das „sich spüren“ nach einer ausgiebigen Laufrunde, Schwimmen im See oder einer Bergtour ist mit Abstand eines der schönsten Empfindungen, die das Leben uns gegeben hat! Da bin ich ganz bei dir! Allerherzlichste Grüße, meine Liebe

  • Reply
    fraeulein_raupe
    15. Januar 2017 at 15:09

    Ich war ein „ich teste alles, aber nix für lange“ Kind. Heute bin ich so ein Mittelding, mit Neigung Richtung Couch. Ich empfinde Sport als nocht lästig, aber ich hab mich noch nicht gut genug organisiert. Aber ich merke es fehlt mir und ich muss daran arbeiten Sport höher zu priorisieren.

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